Sonntag, Mai 17, 2009

Jubiläumsreden, Weihnachtsreden und Co

Haben Sie sich auch schon gefragt, wie Sie eine Jubiläumsrede halten sollen? Eine Rede, die 3 oder 4 aber garantiert nicht 30 Minuten dauern sollte?

Die Kunst ist ja nicht, drei bis vier Minuten zu reden, die Kunst ist auch etwas zu sagen. Eine Botschaft und einen guten Eindruck zu hinterlassen. Faszinierend aber wahr: viele meinen, sprechen können sie, dann wird reden ja kein Problem sein.

Ist es auch nicht - für sie. Die Zuhörer dagegen sterben einen stillen Tod.

Wenn Sie planen eine kurze Rede zu halten, die es in sich hat. Eine Rede, in der - zum Anlass passend - ein Thema aber nicht die Zuhörer erschöpft werden sollen, dann bietet sich die so genannte "Themenzentrierte Formel" an.

Diese Formel ist denkbar einfach und damit für viele Anlässe und Reden geeignet, vor allem auch für Spontanreden. Sie arbeitet mit vier Aspekten:

Ich - der Redner. Hier beantworten wir kurz, wer wir eigentlich sind und warum wir gerade hier reden.

Wir, die Gruppe. Da geht es um Ideen, Sorgen, Hoffnungen, Erfahrungen und Erwartungen der Gruppe. Bei einer Geburtstagsrede kann es hier darum gehen, aus welchen Kreisen die Menschen hier sind (Sportverein, Firma, Familie, Politik, Schule). Bei einer Jubiläumsfeier können hier Menschen erwähnt werden, die mit dem Jubilar besonders lang oder intensiv zusammen arbeiten.

Thema. Der Grund des Zusammenkommens. Je nach Anlass bekommt das mehr oder weniger Platz. Wenn die Kurzrede die Eröffnung einer Veranstaltung ist, dann kann hier kurz die Agenda erwähnt werden. Vermeiden sollten wir aber einen Vorgriff auf später in Vorträgen oder Ansprachen ohnedies Gesagtes.

Umgebung. Welche äußeren Einflussfaktoren gibt es? Von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen über tagesaktuelle Einflüsse gibt es hier viel zu erwähnen.

Die themenzentrierte Formel ist denkbar einfach und daher großartig für kurze, prägnante und noch immer gekonnte Eröffnungen. Wer sie ausprobiert stellt bald fest: wer das kann kommt gut an.


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Freitag, April 24, 2009

Sie können's nicht (lassen) - Statistik und die Medien...

Sind Journalisten grundsätzlich Feinde der Statistik oder verstehen sie die hehre Kunst der Zahlen bloß nicht?

Zahlen, Daten, Fakten haben einen rasanten Aufstieg in der Beweisführung gemacht. Wo Darwin noch auf logische Argumente baute, dort finden wir heute Tabellen und modernste Technologien. Oft reicht als Beweis die Aussage, es gäbe eine Statistik, die behaupte... und ebenso oft reicht als Gegenbeweis, man glaube keiner Statistik, die man nicht selbst gefälscht hätte.

Dabei herrscht so viel Unerständnis den Statistiken gegenüber, dass sich der Aufwand der Fälschung nicht lohnt. Selbst auf gefinkelte Datenselektion kann verzichtet werden, denn immer weniger Menschen verstehen etwas von Statistiken.

So findet sich heute in der Kronen Zeitung:


Schockierend? Keine Sorge, die Inkassofälle haben sich nicht um 500% gesteigert, wie das Bild suggeriert.

Es handelte sich nur um eine Steigerung um 7%. Wenn Banken zu Milliardengräbern werden und Vorstände für einen Gewinneinbruch auf 10% des Vorjahres Lob bekommen, dann sind 7% mehr Inkassoaufträge eher uninteressant.

Wieso explodiert die Statistik in der Grafik dermaßen?

Der Trick ist rasch gefunden: bloß, um dem Leser zu viele Details zu ersparen, wurde auf ein Detail verzichtet. Auf die y-Achse. Heißt ja oft noch "Fremdes-I" und war dem Grafiker offensichtlich auch zu mühsam.

Dieses Detail aber korrekt dargestellt, macht aus dem erschreckenden Bild plötzlich ein harmloses Kurverl:



Die optische Steigerung um 500% ist real eben nur 7%. Es scheint, als hätte man hier mit dem Prinzip gearbeitet: Wir haben unsere Meinung, jetzt müssen wir nur noch die Fakten hinzimmern.


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Freitag, April 10, 2009

Die Kronenzeitung löst das Beamtenproblem - Statistikschummler ganz einfach

Die Hackler-Regelung im österreichischen Pensionssystem wird missbraucht, das ist allgemein bekannt. Gedacht für die mögliche Frühpensionierung von Schwerstarbeitern (Hacklern) gehen heute immer mehr Angestellte, Führungskräfte und... Beamte in die Hackler-Pension.

Das wäre ja nur ein Zeichen für ein weiteres schlecht durchdachtes Gesetz - doch es hat auch sein Gutes: es löst die Frage der hohen Beamtenzahl in Österreich. Wie?

Das hat die Kronenzeitung entdeckt und schreibt:
"Beamte nützen die Hackler-Pension - jeder zweite geht so vorzeitig in Ruhestand. [...] im Vorjahr nützte JEDER ZWEITE BEAMTE diese Möglichkeit der Frühpension.

Jeder zweite Beamte? Das wären ja hunderttausende Frühpensionisten. Und wie machen das all jene Beamte, die erst Mitte 30 sind?

Natürlich reden wir hier nicht von allen Beamten, sondern lediglich von den 2.300 die im Vorjahr in Pension gingen. Offenbar entging dem Journalisten dieser feine aber bedeutende Unterschied. Der erste Statistik-Schummler.

Die eigentliche Frage bleibt unbeantwortet: wie viele Anträge auf die Hackler-Regelung gab es aus anderen Branchen? Scheint dem Journalisten nicht wichtig gewesen zu sein. Denn wenn die Botschaft steht, fallen die Fakten. Der zweite Statistik-Schummler.

Die Kombination ist ein Klassiker: Selektiv werden Daten präsentiert und dann mit vagen Worten verallgemeinert.

Deswegen: traue keiner Statistik...


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Mittwoch, April 08, 2009

Lernen von Silvio Berlusconi

Lernen von Barack Obama? Warum in die Ferne schweifen. Silvio Berlusconi ist ja bereits mehrmals rhetorisch aufgefallen. Berühmt ist sein Sager über Barack Obama: dieser sei "jung, gut aussehend und braungebrannt."

Die Erdbeben in Italien sind tragisch. Wem das Lachen vergangen ist - Silvio Berlusconi ergänzt den Humor: Menschen, die Haus, Hab und Freunde verloren haben, jetzt in Notzelten bei rationiertem Wasser leben mögen es "nehmen wie ein Camping­wochenende."

Es wäre wie ein Osterwochenende am Meer - und der Staat zahlt, so der italienische Regierungschef.

Was, wenn andere Staatsoberhäupter sich an Berlusconis Rhetorik ein Beispiel nehmen?

Hungersnot in Äthiopien? "Sehen Sie es als verlängerte Fastenzeit."
Tsunami in Asien? "Direkter Wasserzugang für alle Hotels."
Hurrikan in den USA? "Straßenreinigung einmal richtig."

Ist es blanker rhetorischer Euphemismus oder völlig übertriebenes positives Denken? Positive Sprache mag ihr Gutes haben. Ein angemessener Bezug zum Thema ist aber wichtig. Nimm's positiv bei 250 Toten, tausenden Verletzten und zehntausenden Geschädigten wirkt skuril, fremd, abgehoben.








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Dienstag, März 24, 2009

Tricks mit den Statistiken...

Österreich ist Schlußlicht. Ja, zugegeben, als Rechtsstaat hat Österreich gerade ein schlimmes Zeugnis ausgestellt bekommen. 24 Verurteilungen wegen diverser Verstöße gegen die Pressefreiheit. Das schmerzt.

Wenn es um die Meinungs- und Pressefreiheit geht, dann sind im 10-Jahres Vergleich Staaten wie Serbien (2), Bosnien-Herzegowina (0) oder Slowenien (0) reine Musterkinder. Das berichten heute "die Presse" und "die Kleine Zeitung". Sogar Russland ist mit 11 Verurteilungen noch besser mit der Pressefreiheit als Österreich.

Überrascht? In Russland ist die Presse freier als in Österreich? Kann nicht sein.

Keine Sorge - was wir hier sehen ist einerseits eine bedrückende Statistik und andererseits ein erschreckendes Beispiel für manipulative Rhetorik, Schummeln mit Statistik und selektive Berichterstattung.

Tatsächlich wurde Österreich im Vorjahr genau ein Mal wegen eines Verstoßes gegen die Pressefreiheit verurteilt. Insgesamt kam es 2008 zu elf Verurteilungen durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Damit sind wir klar im verbesserungswürdigen Mittelfeld. Das sollte noch besser gehen, das ist aber keinen Artikel wert.

Am häufigsten wurde Österreich wegen Beschwerden gegen die Länge der Rechtsverfahren verurteilt - sieben Mal. Im Vergleich zu Belgien (9), Kroatien (11) oder gar Griechenland (53) sieht die Sache ganz anders aus. Da ist Österreich nicht gut genug, doch auch das ist keinen Artikel wert.

Auch die Frage, ob die österreichische Regierung tatsächlich ein Regime gegen die Bürger ist, ist unaufregend beantwortet: 4,5 Beschwerden gab es pro 100.000 Einwohner. Vergleichbar mit Frankreich (4,3) und Finnland (5,2) und traumhaft im Vergleich zu Luxenburg (7,2), Polen (11) oder gar Slowenien (67). Auch das ist keinen Artikel wert.

Langweilige Zahlenkolonnen, in denen man das Mittelfeld belegt, sind keine Artikel wert. Gesucht werden herausragende Zahlen und erschreckende Statistiken. Diese sind das Material spannender Artikel. Spannende Artikel steigern die Auflage. Hohe Auflage, hohe Gage.


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Dienstag, März 17, 2009

Vorträge, Reden, Präsentationen: Das Große Ganze oder das praktische Detail?

Wer zu einem Vortrag oder einer Präsentation eingeladen ist, der fragt sich oft, wie konkret lege ich die Rede an?

Eingeladen wurde man vermutlich, weil man besonderes Wissen über das Thema hat. Im Verkauf kann das Wissen über ein Produkt, in der Wissenschaft dagegen Expertise über eine Fachfrage sein. Doch wie bringt man das Wissen ans Publikum?


So lange Sie nicht vor einem kleinen, elitären Fachkollegium vortragen, vor Menschen, deren große Fachkompetenz bekannt ist, so lange gibt es das Risiko, das Publikum zu verlieren. Stellen Sie sich vor, Sie säßen in einem Vortrag über Quantenphysik und hören im Einstieg den folgenden Text: "Durch das komplex Konjugierte eines Twistors lässt sich im Twistor-Raum ein hermitesches Skalarprodukt einführen."

Keine Sorge, es geht in Normaldeutsch weiter.

"War spannend, aber mir zu technisch" ist nicht nur bei einem Verkaufsvortrag ein Disaster. Denn wer seine Zeit investiert, um wichtige Information zu präsentieren und derartiges Feedback erhält, der hat seine Zeit verschwendet.

Wer Menschen überzeugen will, sucht ihre Nähe. Das geht durch Kleidung und das geht durch Wortwahl. Stellen Sie sich als Experte dar, das ist OK. Aber als Experte, der sich im Leben der Zuhörer auskennt. Eine gemeinsame Sprache ist dafür die Grundlage.

In der Praxis wissen wir aber meist nicht, mit welchem Vorwissen das Publikum ausgestattet ist. Manche kennen sich zum Teil aus, manche haben keine Ahnung vom Thema und andere könnten den Vortrag zum Teil selbst halten. Um jeden einzelnen zu erreichen, hat sich die Vorbereitung vom Großen ins Kleine als am meisten zielführend erwiesen.

Starten Sie also ruhig mit einigen Allgemeinplätzen und Basis-Erkenntnissen. Steigern Sie den Detailgrad und die Komplexität schrittweise. An der Reaktion des Publikums werden Sie erkennen, wann Sie für viele die Grenze erreicht haben. Regelmäßige Fragen ans Publikum - rhetorische wie wahrhaftige Fragen - sind ein gutes Werkzeug, um Verständnis zu erkennen.

Vom Großen ins Kleine, von Global zu Detail - eine Methode, die etwas Vorbereitung kostet aber dafür Ihre Botschaft ankommen lässt.








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Dienstag, Februar 24, 2009

Mediendisaster bei der Telekom...

Wie präsentiere ich meine Botschaft, so dass sie gut ankommt? Das funktioniert ja nicht immer. Wie gerade eben bei der Telekom Austria. Vorstandsdirektor Schieszler hat bei einer Veranstaltung ein sehr merkwürdiges Bild der Telekom Austria gezeichnet.

Man werde jene unkündbaren Mitarbeiter, die nicht umschulungswillig seien, "zu Hause sitzen lassen", hin und wieder für kleinere Aufgaben wieder ins Büro rufen. Wenn sich diese Menschen dann krank melden, würde man einen Arzt schicken und - im Falle eines Falles - klagen.



"Mobbing" schallt es aus den Reihen der Arbeitnehmer, "Kapitalismus pur" aus jenen der Gewerkschaft... und Journalisten schreiben, dass die Tatstatur glüht. Kurz und gut: ein kleines Mediendisaster.

Nun, nicht jede menschenunwürdige Maßnahme in Unternehmen ist automatisch Mobbing, und nicht jede fragwürdige Managemententscheidung ist automatisch Kapitalismus. Sicher aber ist es ein Beispiel für wirklich schlechtes Botschaftsmanagement. Von Message Triangle (Botschaftsdreieck) und auch nur grundsätzlichster Medienrhetorik sind wir weit entfernt.

Was wollte Schieszler tatsächlich sagen? Nehmen wir einige Eckpunkte aus dem Wirrwarr heraus:

"Unsere Aufgabe ist es, ein Telekom-Unternehmen wertsteigernd zu führen..."


Das für sich ist ja keine schlechte Aussage. Unternehmen, deren Wert steigt sichern Arbeitsplätze, schaffen gar neue, investieren in Ausbildung... ein Fundus guter Botschaften.

"... und nicht in Gärten alter Damen zu graben."


Was hinter dieser Metapher stehen soll, bleibt unklar - dafür fehlt der Zusammenhang, aber vermutlich hätte es eine Antithese werden sollen mit dem Kerninhalt: Wir sind dafür da, ein Unternehmen und dessen Wert weiter zu entwickeln und können nicht Projekten nachgehen, die damit nichts zu tun haben. Ist doch eine klare und einfache Aussage, mit der hätte er punkten können.

Hätte er, hat er aber nicht. Er hätte klar darstellen können, dass seine Ausführungen ausschließlich Mitarbeiter betreffen, die sich weigern, an Fortbildungs- und Umschulungsmaßnahmen teilzunehmen. Klar, wer vor 20 Jahren als Fernmeldetechniker eingestellt wurde, der ist mit dem Wissen von damals heute ziemlich überflüssig. Er hätte darstellen können, dass dies auch nur Mitarbeiter betrifft, die dann Krankenstände vortäuschen, sprich sich illegal verhalten. Hätte er, hat er aber nicht.

Mit ein wenig Vorbereitung und dem Wissen um Medienwerkzeuge wie dem Botschaftsdreieck, der einen oder anderen rhetorischen Methode und noch etwas flüssigerem Englisch, hätte Schieszler brillieren können. Hätte er, hat er aber nicht.

Stattdessen lief er in die klassiche Falle: frei gesprochen und vermutlich rhetorisch kaum vorbereitet plaudert Herr Schieszler vor sich hin, versäumt den Punkt zu machen und redet sich in einen Strudel.

Dieses Beispiel zeigt auf traurige Art und Weise, wie alle Fachkompetenz irrelevant wird, ist die Rhetorik mangelhaft. Kompetenz ist wie jedes andere Gut: nicht transportiert kommt sie beim Empfänger auch nicht an.


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